Ultichess

Französische Verteidigung

Die grundlegenden Prinzipien der Französischen Verteidigung sind :

  • Schwarz stellt das Zentrum nicht sofort infrage, sondern bereitet …d5 vor.
  • Es handelt sich um eine sehr solide Verteidigung für Schwarz, deren Theorie sich bis zu einem mittleren Spielniveau relativ einfach erlernen lässt.
  • Typische Struktur: schwarzer Bauer auf e6, weißer Bauer auf e5 (geschlossene Bauernkette), bei der jede Seite auf dem gegenüberliegenden Flügel angreift.

Stärken

  • Solide und zuverlässig: schwer direkt zu durchbrechen.

  • Bietet Schwarz eine klare Gegenstoß-Idee: der Durchbruch …c5 (und manchmal …f6).

  • Reduziert den Theorieumfang im Vergleich zur Sizilianischen Verteidigung oder zur Spanischen Partie.

  • Eine sehr gute Eröffnung, um positionelles Spiel zu erlernen (starke Felder, Manöver, langfristige Pläne).

Schwächen

  • Der weißfeldrige Läufer (c8) ist oft eingeschränkt – daher der Beiname „schlechter Läufer“.

  • Weiß kann mit e5 einen dauerhaften Raumvorteil durchsetzen.

  • Die Stellung ist mitunter sehr geschlossen, sodass Schwarz lange warten muss, bevor sich Gegenspiel ergibt.

  • Verpasst Schwarz den richtigen Zeitpunkt für …c5 oder …f6, besteht die Gefahr, eingeengt zu werden.

Die Vorstoßvariante

Man stößt vor…

1. e4   e6

2. d4   d5

3. e5

  • Weiß schließt das Zentrum sofort, indem er den e-Bauern nach e5 vorschiebt.

Bauernketten :

  • Weiß → Bauern auf e5 und d4, ausgerichtet zum Königsflügel.

  • Schwarz → Bauern auf e6 und d5, ausgerichtet zum Damenflügel.

Damit weiß jede Seite genau, wo sie angreifen muss :

  • Weiß → am Königsflügel (f4–f5, g4–g5).

  • Schwarz → am Damenflügel (…c5, …Qb6, …Nc6–cxd4).

Die zentrale Herausforderung für Schwarz besteht darin, seinen „schlechten“ Läufer auf c8 ins Spiel zu bringen, der derzeit vollständig eingemauert ist.

Zentrumskampf

3. e5   c5

  • Ein typischer Zug von Schwarz: Das Zentrum wird sofort angegriffen.

4. dxc5 (der Fehler, den Weiß vermeiden sollte)

  • Weiß schlägt den Bauern.
    Dies ist eine seltene Entscheidung: Statt das Zentrum mit c3 zu stützen, versucht Weiß, den Bauern materiell festzuhalten.

Problem: Der Bauer auf c5 ist oft anfällig und verzögert die Entwicklung von Weiß.

4… Nc6

  • Schwarz entwickelt sich und zwingt Weiß praktisch dazu, den Springer nach f3 zu entwickeln.
    Der Bauer auf c5 ist ohnehin verloren

5. Nf3

  • Weiß entwickelt eine Figur und verteidigt e5.

Trotzdem steht der Bauer auf e5 ziemlich isoliert und ist im Zentrum schwer zu halten.
Schwarz besitzt in dieser Stellung einen klaren positionellen Vorteil.

Die weiße Falle

3… c5

4. Nf3   cxd4

  • Weiß entwickelt sich, anstatt e5 mit c3 zu verteidigen.
  • Schwarz tauscht im Zentrum ab und öffnet die c-Linie.

5. Bd3   Nc6

  • Weiß zielt auf h7.
  • Schwarz entwickelt sich natürlich und erhöht den Druck auf e5 und d4.

6. O-O   Bc5

  • Weiß rochiert früh und bringt den König in Sicherheit.
  • Schwarz entwickelt sich aktiv und richtet den Blick auf den Bauern f2.

7. Bf4 Nge7

  • Der Läufer wird auf ein aktives Feld entwickelt.
  • Schwarz entwickelt den Springer nach e7, eine klassische Vorbereitung für …Ng6, um den Läufer auf f4 anzugreifen.

8. Nbd2

  • Weiß schließt die Entwicklung der Springer ab und bereitet je nach Plan Nb3 oder Nb3–c5 vor.

Das kalabrische Opfer

8… O-O

9. Bxh7+

  • Das Opfer öffnet die Diagonale für die Dame und zwingt den schwarzen König, sich zu exponieren.

9… Rxh7

10. Ng5+

  • Der Springer kommt mit Schach ins Spiel und zwingt den König zum Rückzug.

10… Rg8

11. Qh5

  • Die Dame schließt sich dem Angriff an und richtet Drohungen gegen h7 und f7.

Das Matt ist nahezu unvermeidlich.

Eine gute Variante

4. Nf3

  • Weiß entwickelt eine Figur, anstatt das Zentrum mit c3 zu stützen.

4… cxd4

5. Bd3

  • Schwarz tauscht im Zentrum ab; der weiße Läufer deckt e4/e5 und zielt auf h7.

5… Nc6

  • Aktive Entwicklung und Druck auf e5 und d4.

6. O-O

  • Weiß rochiert, bringt den König in Sicherheit und bereitet Re1 / Nbd2 vor.

6… Nge7

Flexible Entwicklung : Schwarz plant …Ng6, um e5 und f4 anzugreifen.

Das schwarze Zentrum

7. Bf4   Ng6

  • Weiß aktiviert seinen Läufer und erhöht den Druck auf d6.
  • Schwarz antwortet logisch mit …Ng6, vertreibt den Läufer und nimmt e5 ins Visier.

8. Bg3   Be7

  • Der Läufer zieht sich auf eine wichtige Diagonale (b8–h2) zurück.
  • Schwarz bereitet die Rochade vor und entwickelt sich harmonisch.

9. a3   O-O

  • Ein prophylaktischer Zug : Weiß verhindert …Nb4 (mit Angriff auf d3).
  • Schwarz rochiert, bringt den König in Sicherheit und bereitet die Vorstöße …f6 oder …f5 vor.

10. Re1   f5

  • Weiß zentralisiert seinen Turm.
  • Schwarz startet den Durchbruch …f5, um den Bauern e5 zu unterminieren und seine Figuren zu aktivieren.

11. exf6   Bxf6

  • Weiß entscheidet sich für die Annahme.

Nach der Rücknahme mit dem Läufer verfügt Schwarz über einen sehr aktiven Läufer auf f6, der auf b2 und h4 zielt, sowie über erhöhten Druck auf das Zentrum.

Hinweis :
Wenn Weiß nicht en passant schlägt, wäre sein Läufer auf g3 vollständig eingesperrt.

Der Hauptzug !

3… c5

  • Schwarz schlägt sofort im Zentrum zu.

4. c3   Ne7

  • Weiß festigt das Zentrum mit c3 (solide Bauernkette e5–d4–c3).
  • Schwarz entwickelt den Springer über e7.

5. Nf3   Nec6

  • Logische Entwicklung für Weiß, der Bd3 und O-O vorbereitet.
  • Schwarz setzt die Entwicklung fort und stellt den Springer nach c6, um e5 und d4 zu kontrollieren.

6. Bd3   b6

  • Der weiße Läufer entwickelt sich auf die wichtige Diagonale (mit Blick auf h7).
  • Schwarz bereitet den Abtausch seines „schlechten Läufers“ über Ba6 vor.

Schlechter Läufer / Guter Läufer

7. O-O   Ba6

  • Schwarz entscheidet sich dafür, seinen dunkelfeldrigen Läufer nach a6 zu entwickeln.

Idee: Diesen Läufer gegen den weißen Läufer auf d3 zu tauschen – so wird die bekannte Schwäche des „schlechten Läufers“ behoben, da er gegen den guten weißen Läufer abgetauscht wird.
(Da die weiße Bauernkette die schwarzen Felder kontrolliert, ist der weißfeldrige Läufer der „gute“ Läufer von Weiß.)

8. Bxa6   Nxa6

  • Weiß nimmt den Abtausch an.
  • Schwarz nimmt mit dem Springer zurück, der sich entwickelt und die Felder b4 und c5 ins Auge fasst. Dieser Springer wird später häufig wieder auf sein Ursprungsfeld zurückgezogen, insbesondere nach der Doppelattacke Qxa4.

Ohne Läuferabtausch ?

Betrachten wir nun den Fall, in dem Weiß sich dafür entscheidet, seinen guten Läufer nicht gegen den schlechten schwarzen Läufer zu tauschen.

7. Qe2

  • Weiß entscheidet sich, zusätzlichen Druck auf das Feld a6 auszuüben, um das Erscheinen des schwarzen Läufers auf a6 zu verzögern.

Schwarz : Nicht schlagen !

7… a5

  • Schwarz spielt …a5, um b4 zu verhindern und zugleich das Ausgangsfeld des Läufers auf c8 zusätzlich zu verteidigen.

8. a4   Ba6

  • Weiß antwortet symmetrisch und fixiert die Bauernstruktur am Damenflügel.
  • Schwarz entwickelt seinen dunkelfeldrigen Läufer nach a6, um ihn gegen den Läufer auf d3 zu tauschen.

9. Bb5

  • Weiß fesselt den Springer auf c6.

ACHTUNG:
Hier darf Schwarz den Läufer auf b5 nicht schlagen, denn nach axb5 würde Weiß mit diesem Bauern alle wichtigen Ausweichfelder der schwarzen Figuren kontrollieren.

Die richtige schwarze Fortsetzung

9… Be7

  • Schwarz setzt seine Entwicklung fort und bereitet die Rochade vor.

10. O-O   O-O

  • Beide Seiten rochieren – die Könige stehen sicher.

11. Nbd2   cxd4

12. Nxd4   Nxd4

13. cxd4   Qc8

  • Schwarz entscheidet sich dafür, rasch im Zentrum abzutauschen.

Vorteil für Schwarz

14. Nb1   Nc6

15. Be3   Bxb5

16. axb5   Na7

  • Weiß schlägt zurück; der b5-Bauer wird vorgeschoben und ist nun doppelt.

17. Nc3   Qd7

  • Weiß positioniert seinen Springer neu und aktiver.
  • Schwarz stellt die Dame nach d7 und übt doppelten Druck auf den Bauern b5 aus.

18. Rfc1   Bb4

  • Schwarz entwickelt den Läufer nach b4: Nach dem Abtausch des Läufers gegen den Springer kann der b5-Bauer von Schwarz zurückgewonnen werden.

Nach Abschluss dieser Sequenz verfügt Schwarz über einen klaren Vorteil, mit einem bereits weit fortgeschrittenen Mehrheitsangriff am Damenflügel.
Gleichzeitig ist es Weiß bislang nicht gelungen, seinen positionellen Vorteil am Königsflügel zu verwerten.

Die Abtauschvariante

Ein symmetrisches Spiel

In diesem Fall tauscht Schwarz im 3. Zug die Bauern auf d5, anstatt den Bauern nach e6 vorzuschieben.

Die entstehende Stellung ist auf beiden Seiten symmetrisch, wie oben dargestellt.

1. e4   e6

2. d4   d5

3. exd5   exd5

  • Anschließend folgen die Entwicklung der Springer, dann der Läufer und schließlich die kurze Rochade auf beiden Seiten.

Die logische Fortsetzung

Nach der gegenseitigen Fesselung der Springer auf f6 und f3 ergibt sich die folgende Stellung ganz natürlich.

Der Plan von Schwarz besteht darin, die Fesselung der Dame aufzuheben und anschließend um die Kontrolle der offenen Linie zu kämpfen.

Spiegelbedrohung

Nach dieser Zugfolge ist die Eröffnung für beide Seiten abgeschlossen.
Weiß droht auf das Feld h7, während Schwarz das Feld h2 ins Visier nimmt.

Wenn man auf diese Weise weiterspielt und die Figuren tauscht, ist die schwarze Struktur ausreichend solide, um bei präzisem Spiel ein Remis zu erreichen.

Weiß bricht die Symmetrie

1. e4   e6

2. d4   d5

3. exd5   exd5

  • Weiß entscheidet sich für die Abtauschvariante.

4. Nf3   Nf6

5. Bd3   Bd6

  • Natürliche Entwicklung beider Seiten.

6. O-O   O-O

  • Beide Könige stehen sicher.
  • Die Stellung bleibt ausgeglichen.

7. h3   h6

  • Weiß verhindert …Bg4, Schwarz antwortet spiegelbildlich.

Das ist typisch für die Abtauschstruktur : Fesselungen werden vermieden.

8. Nc3   Re8

  • Weiß aktiviert seinen Springer Richtung Zentrum und droht Nb5 (siehe Diagramm).
  • Schwarz stellt den Turm nach e8. Dadurch wird die offene Linie besetzt und zugleich ein Rückzugsfeld für den Läufer geschaffen, falls Weiß Nb5 spielt (siehe Diagramm).

Der Druck auf c7

9. Nb5

  • Weiß droht mit einem unangenehmen Abtausch auf c7.

Dies ist eine aktive Methode, die für diese Variante typische Symmetrie aufzubrechen.

9… Bf8

  • Schwarz zieht den Läufer zurück, um d6 zu decken und die solide Bauernstruktur beizubehalten.

10. Bf4

  • Weiß aktiviert seinen weißfeldrigen Läufer.
    Doppelter Druck auf c7.

10… Na6

  • Schwarz entwickelt seinen Springer auf ein ungewöhnliches, aber logisches Feld.

Ziele:
– Deckung von c7,
– Unterstützung des Vorstoßes …c5,
– spätere Umgruppierung des Springers über c7 nach e6 oder d5 (siehe Diagramm).

Die Stellung ist ausgeglichen, und Schwarz kann durchaus auf Remis spielen.

Ein weiteres Spiegelbild

In dieser Entwicklung bringen die Weißen zuerst ihren weißfeldrigen Läufer ins Spiel und anschließend den Springer nach e2.

Das Ziel besteht darin, den schwarzfeldrigen Läufer von Weiß (seinen „schlechten Läufer“) gegen den guten schwarzen Läufer abzutauschen.

Symmetrische Antwort

Einmal mehr können die Schwarzen diese weiße Drohung durch eine symmetrische Antwort neutralisieren (siehe Diagramm).

Die Stellung bleibt auf beiden Seiten ausgeglichen und solide.
Das ist ideal, wenn Schwarz auf Remis spielen möchte.

Die weiße Initiative

Um all diese Spiegelstellungen zu vermeiden, in denen Schwarz relativ leicht ein Remis erreichen kann, muss Weiß ambitionierter spielen und die Initiative ergreifen.

4. c4   Nf6

  • Weiß bricht die Symmetrie und gewinnt Raum am Damenflügel.
  • Schwarz entwickelt den Springer und nimmt die Felder d5 und e4 ins Visier.

5. Nc3   Bb4

  • Der weiße Springer entwickelt sich und unterstützt d5.
  • Schwarz entwickelt seinen dunkelfeldrigen Läufer nach b4, fesselt den Springer und erhöht den Druck auf e4.

Wichtig:
Für Schwarz ist es hier entscheidend, den weißen Bauern auf c4 nicht zu schlagen, solange Weiß seinen Läufer auf f1 noch nicht entwickelt hat.
Die Idee besteht darin, Weiß dazu zu zwingen, dieselbe Figur zweimal zu ziehen und so Tempo zu verlieren.

Keine Gier !

6. Nf3   O-O

7. Bd3   dxc4

8. Bxc4   Bg4

  • Schwarz entwickelt seinen Läufer aktiv nach g4 und fesselt den Springer auf f3.

9. O-O

  • Weiß schließt seine Entwicklung ab.

ACHTUNG:
Wenn Schwarz hier auf die Idee kommt, den Springer auf f3 zu schlagen, um die Dame abzulenken und anschließend den Bauern auf d4 zu gewinnen, folgt die sofortige Gegenreaktion!

Die weiße Dame kann ihrerseits auf b7 schlagen, greift dabei den Turm auf a8 an und zerstört vollständig die schwarze Bauernstruktur am Damenflügel.

Deshalb ist der richtige Zug hier: 9… Nc6.

Ziel d4 : Verriegelt

9… Nc6

  • Natürliche Entwicklung: Schwarz bringt eine weitere Figur in den Kampf um das Zentrum.

10. Be3   Qd6

  • Weiß entwickelt seinen Läufer und deckt d4.
  • Schwarz zentralisiert die Dame und droht mit …Rad8maximaler Druck auf d4.

Die schwarze Aktivität

11. h3   Bh5

  • Weiß vertreibt den Läufer, doch Schwarz zieht es vor, sich zurückzuziehen, anstatt zu tauschen.

12. a3   Ba5

  • Weiß vertreibt auch den zweiten Läufer.

13. Rc1   Rad8

  • Weiß stellt einen Turm auf die halboffene Linie.
  • Schwarz verdoppelt seine Schwerfiguren auf der d-Linie, nimmt d4 ins Visier und verfolgt einen klaren Plan.

14. Be2   Bb6

  • Weiß entfesselt den Springer auf f3.
  • Schwarz stellt seinen Läufer nach b6 um, wo er besser mit der Dame auf d6 und den Türmen koordiniert ist und den Druck auf d4 weiter erhöht.

Mögliche Stellung

Nach etwa zwanzig Zügen könnte die Stellung wie folgt aussehen. Schwarz steht leicht besser (+0,9).

Die Drohung auf f2 kann bereits zu diesem Zeitpunkt der Partie ernsthafte Probleme für Weiß verursachen.

Zugfolge im Detail :

15. Qb3   Rfe8
16. Rfd1   a6
17. Rd2   Bg6
18. Bg5   h6
19. Bh4   Nxd4
20. Nxd4   Bxd4
21. Rcd1   c5