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Sizilianische Verteidigung

Die grundlegenden Prinzipien der Sizilianischen Verteidigung sind :

  • Schwarz antwortet auf 1.e4 nicht symmetrisch: Statt …e5 spielt er …c5.
  • Ziel ist es, das Feld d4 zu kontrollieren und ein strukturelles Ungleichgewicht zu schaffen.
  • Die entstehenden Stellungen sind häufig asymmetrisch: Weiß sucht die Initiative am Königsflügel, während Schwarz am Damenflügel zum Gegenangriff ansetzt.
  • Die Sizilianische Verteidigung ist sehr variantenreich (Najdorf, Drache, Scheveningen, Sweschnikow …).

Die Sizilianische Verteidigung gehört zu den theoretisch am besten dokumentierten Eröffnungen.
Was folgt, ist eine knappe Darstellung, die sich besonders für Anfänger und fortgeschrittene Spieler (<1700 Elo) eignet.
Am Ende der Seite findest du die Variante, die deinem Spielertyp am nächsten kommt.

Stärken

  • Ouverture kämpferisch: kein symmetrisches Spiel, die Gewinnchancen für Schwarz steigen.
  • Führt zu dynamischen Stellungen mit aktivem Gegenspiel.
  • Bevorzugte Verteidigung vieler Weltmeister (Fischer, Kasparow, Carlsen).
  • Sehr flexibel: Je nach gewählter Variante kann Schwarz solide spielen (…e6, …d6) oder sehr scharf (…d5, …g6, …a6).

Schwächen

  • Weiß erhält häufig einen Raumvorteil und eine leichter spielbare Initiative.
  • Viele Varianten sind sehr theorielastig und erfordern eine gute Vorbereitung, um nicht schnell unter Druck zu geraten.
  • Findet Schwarz kein Gegenspiel, besteht die Gefahr, in einer passiven Stellung eingeengt zu werden.
  • Einige Systeme (wie der Grand-Prix-Angriff oder der Englische Angriff) ermöglichen Weiß sehr gefährliche direkte Angriffe am Königsflügel.

Sizilianisch, Offene Variante

Grundstellung

1. e4   c5

  • Weiß besetzt das Zentrum mit e4.
  • Schwarz antwortet mit …c5, übt indirekten Druck auf d4 aus und schafft ein asymmetrisches Spiel.

2. Nf3   Nc6

  • Der weiße Springer greift e5 an und bereitet d4 vor.
  • Der schwarze Springer deckt e5 und zielt auf d4.

3. d4   cxd4

  • Weiß öffnet sofort das Zentrum.
  • Schwarz tauscht auf d4.

4. Nxd4

  • Der weiße Springer schlägt zurück und nimmt aktiv eine zentrale Stellung ein.

Stärke von Weiß: Raumvorteil.
Stärke von Schwarz: entstehende zentrale Bauernmehrheit.

In dieser Stellung hat Schwarz mehrere wichtige Möglichkeiten, die die großen Hauptsysteme der Sizilianischen Verteidigung bestimmen:

4… Nf6 (Angriff auf den Bauern e4) → Klassische Variante und Sweschnikow.

4… e6 → Taimanow- oder Scheveningen-Verteidigung.

4… g6 → Drachenvariante, sehr scharf.

4… d6 → Najdorf-Variante (nach …a6) oder Klassische Variante.

Sizilianisch Najdorf

4… Nf6

  • Kontrolliert die Felder e4 und d5.

5. Nc3   a6

  • Weiß entwickelt den zweiten Springer ins Zentrum.
    Der Zug …a6 verhindert ein Eindringen von Springer oder Läufer nach b5.
  • Er bereitet je nach Stellung …e5 oder …b5 vor.

Dies ist vermutlich die meiststudierte Variante der gesamten Sizilianischen Verteidigung, gespielt von Fischer, Kasparow und Carlsen.
Wir werden hier nicht auf alle Feinheiten eingehen.

Pläne für Schwarz :

Expansion am Damenflügel: …b5, …Bb7, …Rc8, schneller Druck auf der c-Linie.
…e5, um den Springer auf d4 zu vertreiben und das Zentrum zu kontrollieren.
…g6 und …Bg7 (Najdorf-Dragon).

Pläne für Weiß :

Englischer Angriff: Be3, f3, Qd2, O-O-O, anschließend g4–g5 → massiver Angriff am Königsflügel.


6.Bg5 (kritischste Variante) → direkter Druck auf Nf6 und den Bauern d5.

6.Be2 oder 6.Bc4 für ein positionelleres Spiel.

Scheveningen-Struktur

5… e6

  • Schwarz festigt das Zentrum und bereitet …d6 vor.
  • Eine flexible, solide und zugleich dynamische Struktur.

6. Be2   d6

  • Weiß entwickelt sich ruhig und bereitet die Rochade vor.
  • Schwarz nimmt die typische Struktur mit Bauern auf e6 und d6 ein – das Herz der Scheveningen-Struktur.

Typische Themen der Scheveningen:

Das Gleichgewicht beruht auf:

  • Weiß, der am Königsflügel angreifen will (f4–f5, g4–g5),
  • Schwarz, der am Damenflügel zum Gegenangriff ansetzt (…b5–b4, …a5).

Es handelt sich um eine sehr strategische Eröffnung, die jedoch reich an taktischen Möglichkeiten wird, sobald beide Seiten ihre Bauernstürme starten.

Weiß am Königsflügel

7. O-O   Be7

  • Weiß rochiert früh und bringt den König in Sicherheit.
  • Schwarz entwickelt sich ruhig und bereitet die Rochade vor.

8. Be3   O-O

  • Weiß stellt den Läufer auf die Schlüsseldiagonale (a7–g1) und unterstützt den Vorstoß f4–f5.
  • Schwarz rochiert seinerseits und sorgt für Königssicherheit.

9. f4

  • Beginn des typischen aggressiven Plans von Weiß: Bauernsturm am Königsflügel (f4–f5, manchmal g4–g5).
  • Bereitet ein zukünftiges Bf3 + Qf3 + Qg3 vor, mit Angriff auf h7.

Dies ist die charakteristische Stellung des Englischen Angriffs.

Sweschnikow-Struktur

5… e5

  • Schwarz greift sofort den Springer auf d4 an.
  • Ziel ist es, durch das Vertreiben des Springers aktives Spiel zu erhalten und das Zentrum zu besetzen.

6. Ndb5   d6

  • Der Springer zieht sich nach b5 zurück, übt Druck auf d6 aus und kontrolliert das Feld c7.
  • Schwarz stützt den Bauern auf e5 und festigt sein Zentrum.

Damit befinden wir uns offiziell in der Sweschnikow-Variante.

Die Idee für Weiß besteht darin, einen Springer auf d5 zu etablieren und Schwarz möglichst einzuengen.

Schwarz verfügt hier über mehr Raum als in Varianten mit …e6.
Die zentrale Aufgabe für Schwarz ist es, langfristig den Vorstoß …d5 vorzubereiten.

Drachenstruktur

4. Nxd4   g6

  • Schwarz entscheidet sich für das Fianchetto des Königsläufers.
  • Ziel ist eine starke Kontrolle der langen Diagonale h8–a1.

Dies ist die Drachenverteidigung.

5. Nc3   Bg7

  • Der Springer unterstützt das Zentrum (e4, d5).
  • Der schwarze Läufer nimmt die Diagonale ein und wird zur Schlüsselfigur des Drachen.

6. Be3

  • Weiß entwickelt sich ruhig, doch dieser Zug kündigt fast immer den Jugoslawischen Angriff an – die kritischste Fortsetzung gegen den Drachen.

Typische Pläne:

  • Weiß: massiver Angriff am Königsflügel → f3, g4, h4, h5, Opfer auf h5/h6.
  • Schwarz: heftiger Gegenangriff am Damenflügel → …a6, …Rb8, …b5, …b4, anschließend Druck auf c3 und c2.

Geschlossene Sizilianische Verteidigung

Eine geschlossenere Stellung

1. e4   c5

  • Weiß vermeidet den schnellen zentralen Abtausch mit d4.
  • Bereitet ein positionelleres Spiel vor und erfordert weniger theoretische Vorbereitung.

2. Nc3   Nc6

  • Weiß möchte d5 kontrollieren und auf den schwarzen Feldern spielen.

3. g3   g6

4. Bg2   Bg7

  • Beide Seiten fianchettieren einen Läufer.
  • Schwarz sucht Gegenspiel im Zentrum oder am Damenflügel.

5. d3   d6

  • Weiß errichtet eine solide Struktur und verhindert …d5 sofort.

6. Be3   e5

  • Schwarz gewinnt Raum und verriegelt das Zentrum.

7. Qd2   Nge7

8. Bh6   O-O

  • Typischer Plan für Weiß: h4–h5, Angriff am Königsflügel, Abtausch des Läufers auf g7 oder Öffnung der h-Linie.

Schwarz hingegen sucht Spiel am Damenflügel (…Rb8, …b5, …a5).

Alapin-Struktur

Es handelt sich um ein Anti-Sizilianisches System, solide und positionell, das darauf abzielt, die theoretische Tiefe für Schwarz zu reduzieren.

Weiß versucht, den d-Bauernvorstoß zu unterstützen.

Ziel ist es, die von Schwarz angestrebte zentrale Bauernmehrheit infrage zu stellen.

Alapin-Struktur (mit …e6)

2… e6

  • Schwarz bereitet ebenfalls einen zentralen Vorstoß (…d5) vor.

3. d4   d5

  • Beide Seiten setzen den zentralen Durchbruch um.

4. e5

  • Weiß setzt den Vormarsch fort, um maximalen Raum im Zentrum zu gewinnen und Schwarz möglichst einzuengen.

Alapin-Struktur (mit …d6)

2… d6

3. d4   Nf6

  • Weiß errichtet sofort sein Zentrum.
  • Schwarz greift den Bauern auf e4 an.

4. Bd3   cxd4

  • Weiß verteidigt den Bauern e4 und behält ein solides zentrales Duo (d4 + e4).

5. cxd4   Nc6

  • Schwarz tauscht auf d4, um die Spannung zu reduzieren, und entwickelt Nc6, der d4 angreift und …e5 vorbereitet.

6. Nf3   e6

  • Natürliche Entwicklung, stützt das Zentrum und bereitet die Rochade vor.
  • Schwarz festigt seine Struktur, öffnet die Diagonale für den Läufer auf f8 und behält die Flexibilität für …Be7 oder …Bb4.

7. Nc3   a6

  • Schwarz spielt …a6, einen typischen sizilianischen Zug, um Nb5 zu verhindern und …b5 vorzubereiten.

8. O-O

Die Idee von Weiß besteht darin, später den richtigen Moment für den Vorstoß e5 zu wählen und den schwarzen König anzugreifen.
Die Dame kann sich dabei schnell in den Angriff einschalten (siehe Diagramm) und starken Mattdruck auf h7 ausüben.

Alapin-Struktur (mit …g6)

2… g6

  • Schwarz fianchettiert sofort und sucht dynamisches Spiel (Drachenstil).

3. d4   cxd4

  • Weiß errichtet sein Zentrum.

4. cxd4   d5

  • Schwarz schlägt sofort mit …d5 zu, um das Duo e4/d4 infrage zu stellen.

5. e5   Bg7

  • Der Bauer auf e5 verhindert Nf6, blockiert das Feld f6 und gewinnt Raum.
  • Der schwarze Läufer entwickelt sich nach g7 und richtet den Blick auf d4 sowie das weiße Zentrum.

Zu beachten ist, dass eine weiße Einnahme auf d5 schlecht wäre, da sie zu einem isolierten Zentralbauern führen würde, der gegen den fianchettierten Läufer sehr anfällig ist.

6. h3

  • Ein prophylaktischer Zug: verhindert …Bg4, das später den Springer auf f3 fesseln würde.
    Der Zug verzögert die Entwicklung des weißfeldrigen Läufers, dient aber weiterhin dem Ziel, Schwarz einzuengen.

Alapin-Struktur (mit …e5)

2… e5

  • Schwarz transponiert in eine Struktur, die der Italienischen Partie ähnelt, allerdings mit einem Tempo weniger für Weiß.

3. Nf3   Nc6

  • Der weiße Springer greift den Bauern e5 an und bereitet eine harmonische Entwicklung vor.
  • Der schwarze Springer deckt e5 und kontrolliert d4.

4. Bc4   Nf6

  • Weiß entwickelt seinen Läufer auf die aktive Diagonale c4.
  • Schwarz entwickelt den Springer nach f6 und greift e4 an.

5. d3   Be7

  • Weiß spielt solide, deckt e4 und bereitet Nc3 sowie O-O vor.
  • Schwarz entwickelt ruhig seinen Läufer und wird bald rochieren.

6. O-O

  • Weiß bringt den König in Sicherheit und verbindet bald die Türme.

Es entsteht eine umgekehrte italienische Stellung: Schwarz hat das klassische Schema …e5, …Nf6, …Be7 übernommen – allerdings aus der Sizilianischen Verteidigung heraus.

Je nach Spielertyp passen folgende Varianten am besten zu dir :

1. Sizilianisch Najdorf

  • Stil: hochtheoretisch, dynamisch, scharfe Kämpfe auf beiden Flügeln.
  • Profil: ambitionierter Spieler, der große strategische und taktische Schlachten liebt und bereit ist, Theorie zu lernen (Fischer, Kasparow, Carlsen).

2. Sizilianisch Scheveningen

  • Stil: solide und flexible Struktur, Kampf zwischen Königsflügel (Weiß) und Damenflügel (Schwarz).
  • Profil: ausgeglichener Spieler, der strategisch reiche Stellungen mag, ohne sofort extreme Risiken einzugehen.

3. Sizilianisch Sweschnikow

  • Stil: dynamisch, strukturelle Schwächen werden durch Aktivität kompensiert.
  • Profil: kreativer, energischer Spieler, der bereit ist, mit Schwächen (Feld d5) zu leben, um aktives Gegenspiel zu erhalten.

4. Sizilianisch Drache

  • Stil: spektakulärer Angriffswettlauf – Weiß greift am Königsflügel an, Schwarz kontert am Damenflügel.
  • Profil: taktischer, aggressiver Spieler, der scharfe Stellungen und präzises Rechnen liebt.

5. Geschlossene Sizilianische Verteidigung

  • Stil: eher positionell, langsame Manöver, Spiel auf den schwarzen Feldern.
  • Profil: geduldiger, strategischer Spieler, der große theoretische Schlachten vermeiden möchte.

6. Sizilianisch Alapin

  • Stil: Anti-Sizilianisch – Weiß baut ein solides Zentrum auf und meidet schwere Theorie.
  • Profil: pragmatischer Spieler, der das Zentrum kontrollieren und das schwarze Gegenspiel begrenzen möchte. Gute Überraschungswaffe.